Atelier Alberto Giacometti

Am 3. Oktober 2016 haben Ben und ich das 2016 neu der Öffentlichkeit zugängliche Atelier von Alberto Giacometti in Stampa, Gemeinde Bergell (CH) besucht. Während eines Nachmittages durften wir im Atelier fotografieren.

Ben, der jüngste Atelier-fotoLux-Teilnehmer (Schüler der 4. Klasse, geb. 2006), hat eine Dokumentation über dieses Atelier erstellt (Fotografien + Text). Diese wird ab der Saison 2017 im Atelier aufliegen. Sie soll Kindern und Jugendlichen erste Informationen über das Leben von Alberto Giacometti vermitteln sowie über verschiedene Gegenstände und Möbel im Atelier informieren.

Hier kann die Dokumentation im PDF-Format heruntergeladen werden.

© 2017 Ben
Making-of

Alte Kamera blickt in die Vergangenheit

© 2016 Ale (14) | Bildidee: Alte Kamera blickt in die Vergangenheit. Was hat diese Kamera wohl schon alles vor der Linse gehabt?
Making-of: Ale an einer digitalen Mittelformat-Kamera

Zur Entstehung dieser Fotografie
Ale (14 J., Schüler der 2. Sekundarklasse

Überlegungen bevor man beginnt

  • «Wenn Deine Bilder nicht gut genug sind, warst Du nicht nah genug dran» von Robert Capa
  • Nicht nur das Motiv ist wichtig, sondern auch das drum herum (Hintergrund)
  • Framen = Rahmen setzen
  • Ein gutes Foto erzählt eine Geschichte
  • Ein gutes Foto weckt beim Betrachter Gefühle
  • Welchen Sinn soll die Fotografie haben, welchen Zweck soll sie erfüllen?

Die Bildidee
Ich habe mir überlegt, was hat die alte Kamera, die ich mitgebracht habe, in früheren Zeiten alles schon vor der Linse gehabt und fotografiert. Die Fotografie sollte eine alte Fotokamera zeigen, die nachdenklich in die Vergangenheit schaut.

 Ablaufschritte

  1. Eine Kulisse aufbauen. Den Hintergrund zusammenstellen. Diesen gestaltete ich mit alten Fotografien aus Bremgarten (CH).
  2. Nun haben als erstes wir den Hintergrund fotografiert. Ich wollte die Möglichkeiten von Photoshop kennenlernen. Daher habe ich die Kamera nicht vor diesem Hintergrund fotografiert, sondern extra. Mit Photoshop sollten später die beiden Fotos (Hintergrund + Kamera) kombiniert werden.
  3. Die Kamera wurde sorgfältig platziert. Und zwar auf einem Stativkopf, welchen ich später wegretuschiert wollte. Hintergrund war ein helles Weiss.
  4. Die alte Kamera wurde nun von vorne nach hinten mehrere Male in „Scheiben“ mit einem 120mm Makroobjektiv an einer Mittelformat-Kamera fotografiert. Die Schärfe wurde dabei mit jedem Schritt ein paar Milimeter nach vorne verschoben. Man nennt das „Focus Stracking“. Der Grund ist, dass im Nahbereich die Tiefenschärfe nicht reicht, um die ganze Kamera auf einmal scharf abbilden zu können.
  5. Als ich alles nach meinem Gutdünken fotografiert habe, wurden die Fotos der Kamera mit Photoshop und dem Zusatzprogramm Helicon focus zu einem Bild zusammengefügt.
  6. Den Stativkopf habe ich in Photoshop „abgeschnitten“.
  7. Dann wurde die Kamera aus dem weissen Hintergrund ausgeschnitten und auf de zuvor fotografierten Hintergrund platziert.
  8. Die Farbtemperatur der Kamera habe ich neutral/kühl belassen, diejenige des Hintergrundes wählte ich warm (= alt).
  9. Dann hat mir der untere Rand der Kamera nicht gefallen. Beim „Ausschneiden“ des Stativkopfes ging ein Stück des Kamerabodens verloren. Auch der Schatten störte. Das liess sich nicht sauber retuschieren. Also haben wir beschlossen, das wir wieder von vorne anfangen.
  10. Die Kamera wurde neu aufgebaut. Und zwar fast frei schwebend an einer Stange, die im Blitzschuh befestigt wurde, welche man kaum sah und viel einfach als der Stativkopf wegretuschiert werden konnte. Dann fotografierte ich die Kamera noch einmal in „Scheiben“.
  11. Danach haben wir die Kamera am  Photoshop nochmals bearbeitet bis ich zufrieden war. Konkret: Wir haben das Foto leicht geschärft. Wir haben dann die Kontraste verbessert und die Belederung des Balgens und des Griffes mit dem AGFA-Zeichen etwas abgedunkelt. Das AGFA-Logo habe ich extra hell belassen.
  12. Dann habe ich in Photoshop die Bildgrösse festgelegt (A2).
  13. Dann habe ich die Ausgabeschärfe eingestellt.
  14. Schliesslich haben wir das Foto im Format A2 ausgedruckt.

Für diese Fotografie habe ich insgesamt etwa acht Stunden benötigt.

Mit dem Resultat bin ich zufrieden, weil das Bild den Zuschauer neugierig macht und zum Nachdenken anregt.

Hier noch ein Zitat: „Ich möchte etwas sichtbar machen, das der Masse nicht mehr präsent ist (Autor unbekannt)

Ale (16)

Welche Kamera kaufen?

Eltern fragen mich immer wieder, welche Kamera sie Ihren Kindern kaufen sollen.

  1. Wenn in Familie bereits eine einfache oder ältere digitale Kamera vorhanden ist, welche Kindern/Jugendlichen überlassen werden kann, ist dieser Fotoapparat einem Neuen vorzuziehen. Auch vier- oder fünfjährige Kameras ermöglichen – korrekt bedient – gute Fotos. Ich selbst arbeite mit einer digitalen Kamera, welche vor sechs Jahren auf den Markt kam. Und zeige Fotografien aus dieser Kamera in Ausstellungen.
  2. Jugendliche, welche ein Smartphone besitzen, können – zusammen mit Know-how und den entsprechenden Foto-Apps – mit ihren Kameras technisch gute Fotografien realisieren. So sind etwa für das iPhone Steckaufsätze auf dem Markt, welche den Anschluss an ein Stativ ermöglichen. Vergessen Sie nicht: Die beste Kamera ist immer diejenige, die man dabei hat.
  3. Sollte in der Familie keine für Kinder und Jugendliche geeignete Kamera vorhanden sein, kann man sich getrost auf Auslaufmodelle der bekannten Kamera-Marken konzentrieren. Gut sind sie heute alle. Auslaufmodelle werden günstig angeboten und stehen den aktuellen Modellen meistens nur wenig nach. Entscheidend ist, dass das Fokussieren und die Einstellungen von Blende, Verschlusszeit und Empfindlichkeit (ISO) von Hand möglich sind.
  4. Im Trend liegen spiegellose Systemkameras. Diese sind bei vergleichbarer Ausstattung und Bildqualität teurer als (einfache) digitale Spiegelreflexkameras. Letztere haben den Vorteil, dass eine grosse Auswahl von Objektiven (auch ältere) an diese Kameras angeschlossen werden können. Die meisten Teilnehmer/-innen im Atelier fotoLux arbeiten mit solchen Spiegelreflexkameras, welche ca. ab Fr. 350.- erhältlich sind.
  5. Systemkameras oder Spiegelreflexkameras mit Super-Zooms versprechen viel. Zu viel. Wenn ein Zoom-Objektiv, dann soll dieses nur den Standardbereich abdecken (+/- 24 mm bis 70 mm). Ich selbst arbeite ausschliesslich mit Festbrennweiten. Diese sind qualitativ dem Zoom-Objektiv überlegen. Dafür sind sie nicht so praktisch wie ein „Zoom“. Man muss mehr springen.
  6. Bei der Budgetplanung bitte im Auge behalten, dass es neben der Kamera eines Stativs und einer spritzwassergeschützten Fototasche bedarf. Bei einfachen Kameras fehlt in der Regel die Streulichtblende („Sonnenblende“). Diese muss meistens extra hinzugekauft werden.

 

 

Keine Porträts im Blog?

Im Atelier fotoLux entstanden bereits zahlreiche Portätfotografien. Die Teilnehmer/-innen stellen sich dabei gegenseitig als Model zur Verfügung. Sie experimentieren mit verschiedenen Lichtsetups und gewinnen erste Einblicke in die anspruchsvolle Bildberarbeitung von Porträt-Fotografien in Photoshop.

Aus Gründen des Datenschutzes zeigen wir hier im Blog keine Fotografien der Teilnehmer/-innen oder ihrer Angehörigen und Bekannten, welche Model stehen.

Bei dieser Gelegenheit noch Folgendes: Wer im Atelier fotoLux einmal für Trainingszwecke als Model mitmachen will, kann sich hier melden. Die Einladung gilt auch für Personen, die sich nicht als „Beauty“ einschätzen. Uns stören weder krumme Nasen, abstehende Ohren, schiefe Augen oder graue Haare. Im Gegenteil. Wir freuen uns auf eine Kontaktaufnahme.

 

Lens cap holder

Wohin bloss immer wieder mit dem Objektivdeckel?

Atelier-Teilnehmer Sim hat die Lösung. Er entwarf eine Cliphalterung. Die Herstellung erfolgt mit seinem 3D-Drucker.

Seine Lens cap Halterung kann nicht nur am Gurt der Kameratasche befestigt werden, sondern zum Beispiel auch an der Hemd- oder einer Hosentasche. Sitzt bombenfest. Ist superpraktisch.

Die Fotos zeigen ein „Vorserienmodell“. Weitere Infos folgen.

© 2016 Sim
© 2016 Sim
Halter
© 2016 Sim

Auftragsarbeiten

Um die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Atelier fotoLux möglichst auf allen Ebenen herausfordern zu können, biete ich ihnen auch die Gelegenheit, als Assistenten bei Auftragsarbeiten mitzumachen. Da unser neues Projekt noch nicht so bekannt ist, möchte ich auch an dieser Stelle auf die Möglichkeit hinweisen, dass wir Aufträge Dritter übernehmen können.

  • Im Atelier fotoLux oder vor Ort entstehen Porträts (auch 40+), welche die Persönlichkeit der fotografierten Personen unverfälscht und würdevoll widerspiegeln.
  • Gerne fotografieren wir auch Kinder und ganze Familien. Und Grosseltern. Und Übergewichtige. Und Behinderte. Aber auch Vespas, Coiffeursalons, Arztpraxen und Imbissbuden. Und wir erstellen auch biometrische Passfotos von Babys und Kindern.
  • Des Weiteren übernehmen wir Retusche-Arbeiten und Posterdruck.
  • Wir übernehmen Aufträge nur dann, wenn wir sie in professionelle Qualität ausführen können. Unsere Preise sind moderat.

Ausserdem: Zu Trainingszwecken suchen wir Personen jeden Alters, welche uns stundenweise als Modell für Charakter-Porträts zur Verfügung stehen.

Weitere Infos finden Sie hier.

Kontakt

Mehr Chancengleichheit durch Hirnfunktionstraining im Unterricht?

Zürcher Starökonom tüftelt am Unterricht der Zukunft
Gelesen am 1. April im Tages-Anzeiger.

Kommentar
Mehr Chancengleichheit durch Hirnfunktionstraining im Unterricht? Wer’s glaubt wird selig. Nein, im „Kids-Win“-Projekt geht es doch um etwas ganz Anderes. Nämlich um nichts weniger als „Neuro-Enhancement“ im Schulunterricht. Aus immer jüngeren Schülerinnen und Schülern soll immer mehr an Leistungsfähigkeit und Effizienz herausgepresst werden.

Kinder fördern: Ja. Kinder kognitiv tunen? Nein Danke!

Selbstdisziplin, Motivationsregulation, Aufmerksamkeitskontrolle, Impulssteuerung, gute Arbeitsgedächtnisleistungen und andere sogenannte Exekutivfunktionen sind zweifellos wichtige kognitive Grundfunktionen. Diese Hirnfunktionen entwickeln sich jedoch sehr individuell und vor allem unterschiedlich schnell. Und sie sind erst im jungen Erwachsenenalter ausgereift.

Werden im Unterricht bei immer Jüngeren immer höhere Erwartungen an die genannten kognitiven Basisfunktionen gestellt, ist naheliegend, dass immer mehr Kinder nicht mithalten können. Sie fallen auf. Kein Wunder auch, dass ADHS-Fehldiagnosen zunehmen.

Wie etwa rechnerische Basiskompetenzen lassen sich auch Konzentration, Selbstregulation und Impulskontrolle vor allem im Familienalltag, in der Freizeit und im traditionellen Schulunterricht am besten spielerisch und nebenbei erlernen. Dazu braucht es unter anderem Erziehung, ausreichend Lehrpersonen und unverplante Freizeit für Kinder. Aber ganz sich sicher keine Computer! Weder zuhause noch im Unterricht. Und erst recht keine kostspieligen medizinischen Computerprogramme, welche primär in Reha-Kliniken oder bei ambulanten neuropsychologischen Therapien zum Einsatz kommen.

Das viele Geld, welches diese Studie bis kostete (und noch kosten wird), würde besser für mehr Unterrichtsstunden in musischen Fächern investiert.

Mathe-Note: 3-

 

Fotograf: B. (9)
© Ben (9 Jahre alt) | Kamera: Coolpix S3 (11 Jahre alt)

Ben besucht die 3. Klasse. Vor ein paar Tagen erhielt er eine Mathe-Probe zurück. Note 3- (für Leser/-innen aus Deutschland: Dies entspricht in der CH einer ungenügenden Note). Ben hat ADHS. Er ist hochintelligent. Seine Therapie wirkt phasenweise nicht so gut. Zurzeit hat er wieder vermehrt syndromtypische Konzentrationsschwächen: In der erwähnte Mathe-Probe unterliefen dem Knaben bei einfacheren Aufgaben Flüchtigkeitsfehler, die anspruchsvolleren Aufgaben hingegen löste er. Zudem: Die ihm zur Verfügung gestandene Zeit reichte ihm nicht aus, das letzte Drittel der Prüfung blieb unbearbeitet. Typisch bei ADHS: Wenn man sich konzentrieren muss um konzentriert zu bleiben, werden ADHS-betroffene Schüler/-innen langsam. Die Lehrperson weiss um Bens Handicap. Interessiert sie aber nicht.

Jede Mutter kann das!

Frage von Frau U.:

Analysieren Sie eigentlich alle Fotografien, welche die Kinder machen? Einmal Psychologe – immer Psychologe? Und die Bilder zeigen ja auch die Befindlichkeit der Kinder auf? Oder?

Fotos und Zeichnungen von Kindern und Erwachsenen können zum Teil schon widerspiegeln, wie es ihnen geht. Um das herauszulesen, muss man aber nicht Psychologe sein. Jede Mutter kann das.

Meistens lasse ich Fotografien, die mich ansprechen, einfach auf mich wirken. Analysiert wird dabei nichts. Ich atme sie ein, wie die Salzluft am Meer oder höre ihnen zu, wie dem Rascheln von Laub. Manchmal lasse ich sie mir auch wie Schokolade auf der Zunge zergehen.

 

Charakterporträt?

Für viele Fotografen gilt die Porträtfotografie als Königsdisziplin.

Kein Wunder.

Es gibt nichts Anspruchsvolleres, als Menschen und insbesondere Gesichter zu fotografieren.

Auch im Atelier fotoLux kommt der Porträtfotografie eine grosse Rolle zu. Warum erkläre ich später einmal. Jedenfalls arbeite ich zurzeit mit einigen der Teilnehmer/-innen darauf hin, nach langem Lernen und Üben ein Porträt ihrer Grossmutter oder ihres Grossvaters aufzunehmen, auszuarbeiten und zu einem edlen Print auszuarbeiten.

Frau G. ist einer dieser Grossmütter. Sie fragte mich gestern, ob bei einem authentischen Charakterporträt nicht ein Risiko besteht, dass auch allfällig im Verborgenen liegende negative Seiten eines Menschen zum Vorschein kommen könnten?

Die sehr gute Frage von Frau G. kann ich klar mit Nein beantworten. Aus einem Gesicht eines Menschen, und damit auch aus einem Porträt, kann man weder positive noch negative Charakterzüge oder Persönlichkeitszüge herauslesen. Das ist wissenschaftlich erwiesen. Vertreter/-innen der Physiogomik behaupten allerdings bis heute das Gegenteil. Alles Humbug!

Sehr wohl aber kann ein Gesicht (und das Abbild eines Gesichtes) durch die Mimik Gefühle zum Ausdruck bringen. Und wer den porträtierten Menschen kennt, kann zu einem Porträt klar sagen: „Ja, so ist er! oder „Genau, das war sie!“.

Im Grunde genommen ist es so, dass ein Porträt viel mehr über den Fotografen verrät als über die porträtierte Person: Auf den Punkt bringt dies die amerikanische Fotografin Elizabeth Opalenik in ihrer vielfach zitierten Aussage:

«Wahrlich sind alle Fotografien Selbstporträts».

Zeige mir Deine fotografischen Arbeiten und ich sage Dir, wer Du bist! Elizabeth Opalenik trifft den Nagel auf den Kopf: Schonungslos legen Fotografien offen, wie ihre Erzeuger/-innen ticken. Mit entlarvender Evidenz zeigen sie auf, was uns Fotografen und Fotografinnen persönlich bedeutsam erscheint, wonach wir in der Welt suchen, worin unsere Bedürftigkeit liegt, wohinter wir uns zu verstecken versuchen, wonach wir streben, worin wir unsere Empfindungen spiegeln möchten und was unserem Sehen Halt und Struktur gibt. Sie deuten an, wie fokussiert wir durchs Leben schreiten, wie respektvoll wir mit dem Augenblick umgehen, ob wir Tiefgang lieben und vorzugsweise mit oder gegen den Strom schwimmen. Zudem zeigen Fotografien auf eine subtile Art und Weise an, ob und wenn ja, wie gut es der Fotografin oder dem Fotografen gelang, die Seele des Sujets zu erfassen, Das gilt übrigens nicht nur für Porträt-, sondern auch für Landschafts- oder Sachaufnahmen. Sie decken auf, ob wir bluffen oder anderen abkupfern, weisen aber auch darauf hin, wie ehrlich wir uns und den Betrachter/-innen gegenüber sind.

Ja, unsere Fotografien sind redselig und trotzdem wortlos lesbar wie ein offenes Buch über uns selbst. Und nicht selten verraten sie Geheimnisse, die wir Fotografen und Fotografinnen lieber für uns behalten würden.

Zurück zur Frage von Frau G.: Falls Negatives zum Vorschein kommt, betrifft dies also immer den Fotografen und nie die porträtierte Person.

 

Der reine Wahnsinn

Um mit einer Kamera kreativ arbeiten zu können, ist es von grossem Vorteil, wenn man mit der Kamera- und Aufnahmetechnik von einigermassen vertraut ist. Deswegen kommt diesem Aspekt in der Arbeit im Atelier fotoLux zwar nicht die wichtigste, aber doch eine tragende Rolle zu. Vor allem zu Beginn.

Drei der zurzeit fünf Teilnehmer/-innen haben eine eigene digitale Spiegelkamera (oder dürfen die Kamera ihrer Eltern verwenden). Wie zu erwarten war, fehlt bei allen das Grundwissen über die Funktionsweise einer Kamera.

Das ist kein Problem. Man kann das lernen. Und es ist zum Glück recht einfach zu verstehen.

Auch die Funktionsweise und das Zusammenspiel von Blende, Verschlusszeit und Sensorempfindlichkeit („ISO“) lernen die Teilnehmer/-innen im Atelier nicht in der Theorie, sondern in einem ersten Schritt ganz praktisch. Dies mit einer Kamera, bei welcher alle Einstellungen manuell erfolgen. Schnell wird klar, was zum Beispiel Verschlusszeiten und Blende bedeuten und wie diese sich gegenseitig beeinflussen.

Die Teilnehmer/-innen erhalten von mir fotografische Hausaufgaben. Dazu zählen unter anderem auch das Fotografieren von bestimmten Motiven oder Bildern mit bestimmten gestalterischen Aspekten. Dazu verwenden sie ihre eigenen Kameras.

Soweit so gut.

Und jetzt zum Wahnsinn.

Um zusammen mit den Teilnehmer/-innen an ihren Kameras die geeigneten Kameraeinstellungen vorzunehmen zu können, habe ich mir von zwei der drei Kameras die Handbücher heruntergeladen. Eines umfasst 387 Seiten, das andere Manual besteht aus sage und schreibe 402 Seiten.

Autolighting, Touch-Auslöser, Festlegen der Copyright-Informationen, Anfügen von Staublöschungsdaten, Movie-Wiedergabe, direktes Drucken mit DPOF, Bildstil-Einstellung, Picture-Control-Konfiguration, Motivprogrammwahl, Spezialeffekte-Modus, Tonwert-Priorität, Kreativ-Automatik (!) …

Immerhin etwas habe ich verstanden:

„Bei allen in dieser Bedienungsanleitung beschriebenen Vorgängen wird vorausgesetzt, dass der Hauptschalter auf <ON> gestellt ist.“

Wer nicht schon verrückt ist, wird es spätestens beim Versuch, als Beginner mit einem dieser Manuals seine Kamera zu verstehen. Leider entpuppte sich auch die „Kreativ-Automatik“ (CA für „Creative Auto“) als nicht eben sinnstiftend:

„In diesem Fall können Sie auch den Umgebungseffekt auswählen, den Sie in dem Bild darstellen möchten.“

Alles klar?

Kein Wunder, dass die überwiegende Mehrzahl der Benutzer von digitalen Kameras alles der Vollautomatik überlässt. Und Gefahr läuft, Minderwertigkeitskomplexe zu entwickeln.

Klar ist, dass ein Manual eine Bedienungsanleitung für eine Kamera darstellt und keine Einführung in die Fotografie. Eine allgemeine Einführung, welche das Wesentliche erklärt, würde drei, vielleicht vier Seiten umfassen. Und sehr viel nützen. Verlange ich zu viel?

Moderne digitale Fotokameras sind mit überflüssigen und teils verwirrenden Funktionen nur so gespickt. Leider.

Gegenmittel: Sich eine dicke Haut zulegen und sich auf das Wesentliche beschränken. Wie das geht, zeigt der Atelier-Teilnehmer und Tierliebhaber Dom:

Elephant
© Dom (15)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Besser als erwartet

Vor zwei Wochen hat das Atelier fotoLux die Arbeit aufgenommen. Nein, natürlich nicht das Atelier. Sondern ich und die ersten fünf Teilnehmer/-innen. Was auch wieder nicht stimmt. Denn all die konzeptionellen und praktischen Vorbereitungsmassnahmen der letzten Monate bedeuteten natürlich auch Arbeit. Und wie.

Die Eindrücke der letzten vierzehn Tage waren intensiv. Auch nachts. Ich träume nämlich wieder. Die Jahre zuvor lief nichts in meinem nächtlichen Kopfkino.

Die Teilnehmer-/innen (ich stelle sie vielleicht später einzeln und in anonymisierter Form vor) überraschten mich als erstes durch ihr grosses Interesse. Ausnahmslos alle haben sich prima eingelassen und waren voll bei der Sache. Und alle stellten mir richtig gute Fragen! Damit habe ich so nicht gerechnet.

Diejenigen mit einer ADHS hyperten munter drauf los. Da ich vorsorglich auf ADHS-kompatibles und stabiles Studio-Equipment achtete, blieb bisher alles heil.

Von vier der fünf Teilnehmer/-innen habe ich bereits Fotografien gesehen. Diese haben Sie auf einem Stick ins Atelier gebracht. Ich schreibe ganz bewusst „Fotografien“. Was ich nämlich gesehen habe, waren zahlreiche spontan aufgenommene und richtig gute Bilder! Und dies selbst beim bisher jüngsten Teilnehmer (9). Bald werden hier erste Fotografien der Teilnehmer/-innen gezeigt.